Geschichte des Monats


Monat September 2010

Polygamie

Jemand hatte einen Freund, der war mit zwei Frauen verheiratet.

Er pries die Mehrehe in den höchsten Tönen und zählte all die Vorteile auf, die daraus erwachsen. Immer wieder erzählte er davon und riet seinem Freund ebenfalls eine zweite Frau zu heiraten.

Irgendwann ließ sich der Freund überzeugen und er ging auf Brautsuche. Eine Frau wurde gefunden und Hochzeit gefeiert.

 

Als er danach zu seiner neuen Frau eingehen wollte, sprach diese:

„Sieh mal, du warst 15 Jahre mit deiner ersten Frau verheiratet, du liebst sie sicherlich viel mehr als mich.“

Er schwor ihr seine Liebe, aber sie versetzte:

„Ach geh nur zu ihr, mich hast du ja doch nur geheiratet, damit ich für euch die Dreckarbeit mache.“

 

So hatte der Mann sich das nicht vorgestellt und so ging er zu seiner ersten Frau.

„Was machst du denn hier“, empfing sie ihn, „Du hast geheiratet und solltest nun bei deiner Braut sein.“

Er liebe sie doch viel mehr als die andere, beteuerte er.

„Ach hör auf“, versetzte sie, „ich bin jetzt alt geworden und nun hast du das Interesse an mir verloren. Also geh zu deiner neuen Frau.“

Betrübt schlich der Mann aus dem Haus und rollte in der Moschee seinen Schlafsack aus, um dort zu übernachten. Er wollte gerade einschlafen, als er ein Geräusch hörte. Er suchte nach Licht und als er es gefunden hatte, sah er seinen Freund.

 

„Was machst du denn hier?“, fragte er.

 

„Ich wollte hier nicht immer allein sein.“, antwortete der Freund.

 

 

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Monat August 2010

Gott und der Friseur

Ein Mann ging zum Friseur, um seine Haare zu schneiden und seinen Bart stutzen zu lassen.

Als der Friseur zu schneiden begann, fingen sie auch an ein gutes Gespräch zu führen.

Sie redeten über viele Dinge und verschiedene Themen.

Als sie zufällig auf das Thema Gott kamen, sagte der Friseur:

” Ich glaube nicht, dass Gott existiert.”

 

“Wie kommen sie darauf?”, fragte der Kunde.

 

“Naja, man muss doch nur raus auf die Straße gehen, um zu erkennen, dass es Gott nicht gibt. Sag mir, wenn Gott existiert würde, würde es dann so viele kranke Menschen geben? Würden es dann verlassene Kinder geben? Wenn es Gott gäbe, würde es weder Leid noch Schmerzen geben. Ich kann mir keinen lieben Gott vorstellen, der solche Dinge geschehen lassen würde.”

Der Kunde dachte für einen Moment nach, antwortete aber nicht, da er keine Auseinandersetzung beginnen wollte.

Der Frisör war nun fertig mit dem schneiden der Haare und der Kunde verließ das Geschäft. Kurz nachdem er den Friseurladen verlassen hatte, sah er auf der Straße einen Mann mit langen, faserigen, dreckigen Haaren und einem ungestutzten Bart. Er sah schmutzig und ungepflegt aus.

Der Kunde ging zurück in den Friseurladen und sagte zum Friseur:

“Wissen Sie was? Es gibt keine Friseure.”

 

“Wie können sie so etwas denn behaupten?”, fragte der Friseur,” Ich bin hier, und ich bin ein Frisör. Außerdem habe ich gerade ihre Haare geschnitten!”

 

“Nein!”, schrie der Kunde,“Friseur gibt es nicht. Wenn es sie gäbe, würde es keinen Menschen mit dreckigen, langen Haaren und einem ungepflegten Bart geben, wie zum Beispiel dieser Mann draußen auf der Straße.”

 

“Ah, aber es GIBT Frisöre!”, antwortete der Friseur, ” Die Sache ist , dass die Leute nicht zu mir kommen.”

 

“Genau!”, bestätigte der Kunde, “Das ist der Punkt! Genauso ist es mit Gott, Er EXISTIERT! Die Sache ist, dass keiner sich ihm zuwendet und nach ihm sucht. Deswegen gibt es so viel Leid und Schmerz auf der Welt.”

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Monat Juli 2010

Das Gerücht

Eine Frau wiederholte die Gerüchte die sie über ihren Nachbarn gehört hatte. Innerhalb weniger Tage hatte es jedoch bereits die ganze Nachbarschaft gehört. Die betroffene Person war tief verletzt und gekränkt.

Später erfuhr jene Frau, die verantwortlich für das Verbreiten des Gerüchtes war, dass es gar nicht stimmte. Das was sie getan hatte bereute sie nun, also ging sie zu einem alten weisen Mann, um ihn zu fragen, was sie tun kann um den Schaden den sie angerichtet hatte wieder gutzumachen.

Er sagte:

„Geh zum Marktplatz und kaufe einen Huhn, dann töte es. Und dann, auf deinem Heimweg, zupfe dessen Federn und wirf sie einzeln auf den Boden den ganzen Weg entlang. “

Ein bisschen verwundert über den Rat, tat sie was der Mann gesagt hatte.

Am nächsten Tag sagte der Mann:

„Jetzt geh und sammle all die Federn, die du gestern auf den Boden geworfen hast wieder auf und bring sie mir.”

Die Frau ging den gleichen Weg entlang, aber entsetzt musste sie feststellen, dass der Wind alle Federn weggeweht hatte. Nach stundenlangem Suchen kam sie nur mit drei Federn in der Hand wieder zurück.

„Siehst du“, sagte der alte Mann, „es ist leicht sie zu verteilen, aber es ist unmöglich sie alle wieder aufzusammeln.“

Genauso ist es mit Gerüchten. Man braucht nicht viel um Gerüchte zu verbreiten, aber wenn man es einmal getan hat, kann man es nicht mehr ungeschehen machen.

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Hudhaifa (radhiyallahu’anhu) berichtete, dass der Gesandte Allâhs (sallallahu ‘aleihim wa sallam) gesagt hat:

„Ein Verbreiter von üblen Nachreden wird nicht ins Paradies kommen!“

(Bukhârî und Muslim)

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Monat Juni 2010

Die Fliege, die in die Hölle führte!

 

 

Wenn man aufrichtig über diesen Hadith nachsinnt, wird man die wahren Gefahren des Shirk, wie gering sie auch erscheinen mögen und die Großartigkeit des Tawhid, wie gering sie auch erscheinen möge, realisieren.

 

 

Es wird von Tariq ibn Shibab (radiallahu ‘anhu) berichtet, dass der Prophet (sallallahu ‘alayhi wa sallam) sagte:

 

 

 

„Ein Mann betrat das Paradies auf Grund einer Fliege,

während ein anderer in das Feuer auf Grund einer Fliege eintrat.“

 

 

Sie fragten:

 

„Wie war das möglich, o Gesandter Allahs?“

 

 

Er antwortete:

 

„Zwei Männer gingen an einigen Leuten vorbei, die eine Götze besaßen, an der es für niemanden erlaubt war vorbeizuziehen, ohne ein Opfer für sie zu bringen. Sie (die Leute) sagten zum ersten Mann:

„Opfere (etwas).“

 

 

Er sagte: „Ich habe nichts bei mir um dies zu tun.“

 

 

Sie sagten: „Opfere etwas, selbst wenn es nur eine Fliege ist“, so tat er dies und sie erlaubten ihm seines Weges zu gehen und so betrat er das Höllenfeuer.

 

 

Dann sagten sie zum zweiten Mann: „Opfere (etwas).“

 

Aber er sagte: „Ich opfere nichts, außer es ist für Allah, dem Allmächtigen.“

So schlugen sie seinen Nacken (und er starb) und er betrat das Paradies.“

 

 

[Überliefert bei Ahmad]


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Monat Mai 2010

Die drei Siebe

 

Zum einem weisen Mann kam einer gelaufen und sagte:

“Höre, das muss ich dir erzählen!”

 

“Halte ein!”, unterbrach ihn der Weise, “hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt ?”

 

“Drei Siebe?”, frage der andere voller Verwunderung.

 

“Ja guter Freund! Lass sehen, ob das, was Du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht:

Das erste ist die Wahrheit.

Hast Du alles, was Du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist ?”

 

” Nein, ich hörte es erzählen und…”

 

” So, so! Aber sicher hast Du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was Du mir erzählen willst gut?”

 

Zögernd sagte der andere: “Nein, im Gegenteil…”

 

“Hm…”, unterbrach ihn der Weise, “so lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass Du mir das erzählst?”

 

“Notwendig nun gerade nicht…”

 

” Also”, sagte lächelnd der Weise, “wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste Dich und mich nicht damit. “


 

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Monat April 2010

Die Geschichte von Ibn Jud’an


Wenn man an die vorislamische Zeit in Mekkah denkt, fallen einem bestimmte Namen ein – wie Abdul-Muttalib, der Großvater vom Propheten (sallallahu alayhi wa sallam), oder Waraqah bin Naufal. Aber es gibt da eine andere wichtige Person, an die man sich heute kaum erinnert: Abdullah bin Jud’an, der Cousin ersten Grades von Abu Bakr as-Siddiq’s Vater.
In den frühen Jahren seines Lebens war Abdullah bin Jud’an weder erfolgreich noch glücklich. Da er arm und hungrig aufwuchs, verbitterte ihn das Leben. Zum Trost oder vielleicht aus Bosheit, wandte er sich dem Übel zu und beging viele Verbrechen. Er wurde wegen seiner schlechten Taten so oft gefangen, dass er von vielen als ein unverbesserlicher Verbrecher angesehen wurde. Die Menschen dachten, dass er das personifizierte Böse war, und dass es ausgeschlossen war, dass er sich jemals bessern konnte. Jeder hasste ihn, einschließlich die Leute seines Stammes, seiner Familie, und sogar sein eigener Vater; und er erwiderte diesen Hass gleichermaßen oder mit größerer Wucht.

Eines Tages, als er in den Tälern von Mekkah, kläglich an seine bittere Existenz denkend, spazieren ging, bemerkte er eine kleine Öffnung in einem Berg, eventuell ein Eingang zu einer Höhle. Er dachte, dass da etwas Gefährliches sein könnte, vielleicht eine Giftschlange.
Diese Vorahnung hinderte ihn nicht daran sich zu nähern; stattdessen ermutigte es ihn dazu dahin zu gehen, denn seine Situation war so hoffnungslos, dass er getötet werden wollte, damit er von seiner jämmerlichen Existenz erlöst werden konnte.

Als er sich dem Höhleneingang näherte, sah er eine magere Gestalt, und in der Dunkelheit nahm er eine Schlange in aufrechter Position wahr. Jene Stellung, die eine Giftschlange einnimmt, wenn sie bereit ist zuzuschlagen.
Abdullah bin Jud’an war erschrocken und realisierte plötzlich, dass er nicht sterben wollte. Es kam ihm so vor, als ob sich die Schlange in seine Richtung bewegte, also sprang er wie wild umher, und versuchte ihre tödlichen Bisse abzuwehren.
Kurze Zeit später beruhigte er sich wieder und bemerkte, dass nur er sich bewegte und die Schlange regungslos dastand. Und als er näher kam, begriff er, dass es nur die goldene Statue einer Schlange war, die zwei aus wertvollen Smaragden gemachte Augen hatte. Er brach die Smaragde ab und nahm sie.

Dann ging er tiefer in die Höhle hinein, und an den Schriften um ihn herum erkannte er, dass die Höhle die Grabstätte der Könige des Jurham Stammes war. An der Spitze jedes Grabes war ein aus Gold gemachter Grabstein; darauf war eine kurze Biografie des darunter begrabenen Königs geschrieben. Die Gräber waren umgeben mit Schätzen aus Gold, Silber, Perlen, Edelsteinen, und vielem mehr.
Abdullah bin Jud’an nahm einige kleine Schätze, machte ein Zeichen außerhalb der Höhle, so dass er sie wieder finden konnte, und kehrte dann zu seinen Leuten zurück. Sein neu entdecktes Vermögen verteilte er großzügig an Familie, Freunde und Bedürftige. Er war besonders großzügig darin Menschen zu versammeln und ihnen Essen zu servieren.

Mit der Zeit gewann er Status in der Gesellschaft, bis er sogar einer der Führer von Quraish wurde. Wann immer sein Geld knapp wurde, ging er zurück zur Höhle und nahm sich weitere Schätze mit.
Seine Wohltat ging sogar über die Grenzen von Mekkah hinaus. Einmal, als die Leute von ash-Sham schwere Zeiten durchlebten, sandte Abdullah bin Jud’an ihnen 2.000 Kamele vollgeladen mit Mehl, Öl und anderen Nahrungsmitteln. Und jede Nacht stand jemand auf dem Dach der Kaaba und rief:

„Kommt zu den Schüsseln (gefüllt mit Essen) von Abdullah bin Jud’an.“

Doch trotz all dem, wird in Sahih Muslim folgendes über ihn berichtet. Ungefähre Wiedergabe – Aischa (radhiyAllahu anha) sagte dem Propheten (sallallahu alayhi wa sallam):

„Wahrlich, Ibn Jud’an pflegte (den Leuten) Essen zur Verfügung zu stellen, und er war seinen Gästen gegenüber gastfreundlich. Wird ihm irgendetwas davon Nutzen am Tage der Auferstehung bringen?“

Der Prophet (sallallahu alayhi wa sallam) antwortete:

„Nein. Wahrlich, an keinem Tag sagte er jemals: ‘O mein Herr, verzeih mir meine Sünde am Tag der Vergeltung.’

[Übersetzt aus dem Englischen; Gems and Jewels von Abdul-Malik Mujahid´]


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Monat März 2010

Ummu Hasan al-Kufiyyah


 

Sufyan ath-Thawri, Ibn al-Mubarak und andere pflegten sie zu besuchen.

Abdullah ibn al-Mubarak erzählte:

Sufyan ath-Thawri erwähnte eine Frau aus Kufa, die Ummu Hasan genannt wurde. Eine Frau von großartigem Ijtihad und Ibadah. So gingen wir sie besuchen und betraten ihr Haus, und wir sahen, dass nichts darin war, außer einer kleinen abgenutzten Matte.
Ath-Thawri sagte zu ihr:

„Wenn du an einige deiner Verwandten eine Nachricht schreiben würdest, könnten sie dir helfen, deinen ärmlichen Zustand zu ändern.“

 

Sie sagte:

„Sufyan, in meinen Augen warst du besser (als das), und in meinem Herzen warst du vor diesem Moment größer. Ich erbitte nichts von den Dingen dieser Welt von DEM, der sie kontrolliert, sie besitzt, und über sie herrscht, warum sollte ich also diejenigen fragen, die keine Kontrolle über sie haben noch darin herrschen? Sufyan, ich schwöre bei Allah, ich lehne es ab, dass mich eine Zeit überkommt, in der ich für Allah keine Zeit habe, weil ich mich mit anderem beschäftige als mit IHM.“

 

Sufyan weinte über diese Worte.

Abdullah ibn al-Mubarak sagte:

„Es hat mich erreicht (habe gehört), dass Sufyan diese Frau geheiratet hat.“

 

[Übersetzt aus dem Englischen; Sifat as-Safwah von ibn al-Jawzi]

 

 

 


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Monat Februar 2010

Eine Frauensitzung im alten Arabien

 

Elf Frauen saßen zusammen und unterhielten sich über ihre Männer. Jede sollte berichten und nichts verschweigen. Versprochen. Irgendwo in Arabien, irgendwann zur Zeit des Propheten Muhammad.1 Vielleicht auch etwas früher. Aischa hatte von dieser Geschichte gehört und berichtete ihrem Mann.2 Die Worte der Frauen sind im Arabischen vor allem ein sprachlicher Genuss. Sie bieten aber auch einen Einblick in die unterschiedlichen Lebenssituationen arabischer Frauen damals. Der zweite Punkt steht dem deutschen Leser von selbst zur Verfügung, den ersten versucht die Übersetzung wenigstens erahnen zu lassen.

„Die erste Frau sagte:

Mein Mann ist wie das Fleisch eines abgemagerten Kamels auf dem Gipfel eines steilen Berges: Weder einfach zu erreichen, so dass man dorthin steigen könnte, noch hat es Fett angesetzt, dass es lohnen würde, es herunter zu holen.

 

Die zweite Frau sagte:

Mein Mann, über den schweig ich mich besser aus, denn fang ich erst an, find ich nicht mehr heraus. Würde ich in den Bericht versinken, ich redete nur von seinen Furunkeln und Karbunkeln.

 

Die dritte Frau sagte:

Mein Mann ist ein hagerer Hüne. Sprech ich werd ich geschieden, schweig ich werd ich gemieden.

 

Die vierte Frau sagte:

Mein Mann ist wie die Nacht in der Wüste Tihama: Nicht zu heiß und nicht zu kalt, kein Schrecken und keine Langeweile halt.

 

Die fünfte Frau sagte:

Mein Mann – zuhause ein zutraulicher Gepard und draußen ein feuriger Löwe. Er fragt mich nicht was war und warum.

 

Die sechste Frau sagte:

Wenn mein Mann isst, isst er alles weg, wenn er trinkt, trinkt er alles aus, wenn er schläft, ist er ganz verhüllt. Er führt nie seine Hand heran, um zu erfahren, wie es um mich steht.

 

Die siebte Frau sagte:

Mein Mann ist rüde und blöde, alle Mängel sind seine Mängel, er drischt und bricht, oder beides gemischt.

 

Die achte Frau sagte:

Mein Mann, seine Berührung so weich wie ein Kaninchen, sein Duft so wunderschön zu riechen.

 

Die neunte Frau sagte:

Mein Mann ist hoch angesehen, stattlich anzusehen, Gäste bei ihm gern gesehen, sein Haus zum Ort der Gesellschaft ersehen.

Die zehnte Frau sagte:

Mein Mann ist vermögend, und wie vermögend! Vermögend besser als irgend! Seine Kamele sind viel im Gehege, selten zum Grasen auf dem Wege. Wenn sie den Klang der Laute hören, wissen sie gewiss, dass sie für Gäste die Tafel werden zieren.

 

Die elfte Frau sagte:

Mein Mann Abu Zar’! Oh ja, und was für ein Abu Zar’! Meine Ohren sind schwer von seinem Schmuck, meine Arme haben von seiner Nahrung Fett angesetzt. Er hat mir Freude bereitet, so dass ich mir selbst zur Freude wurde. Er fand mich vor in Mühsal, bei einer Familie, die Ziegen und Schafe hielt. Er holte mich in eine Familie, wo die Pferde wiehern und die Kamele stöhnen, wo man sie ständig hört, wie sie Getreide dreschen und waschen. Bei ihm sag ich und werde nicht geschmäht, schlaf ich bis die Sonne überm Horizont steht, trink ich bis gut getränkt mein Körper geht.

Die Mutter von Abu Zar’! Oh ja, und was für eine Mutter! Ihre Vorratssäcke prall gefüllt, ihr Haus geräumig, groß und weit.

Der Sohn von Abu Zar’! Oh ja, und was für ein Sohn! So grazil und schlank, dass sein Bett die Breite einer Klinge hat, er ist schon satt, wenn er nur gekostet hat.

Die Tochter von Abu Zar’! Oh ja, und was für eine Tochter! Ihrem Vater zuvorkommend und ihrer Mutter, ihre Pracht füllt ihre Tracht, ihrer Nachbarin zur Schmach.

Die Dienerin von Abu Zar’! Oh ja, und was für eine Dienerin! Verbreitet keine Geschichten aus unserem Haus, schaut bei den Vorräten wohl voraus, und macht dem Staube den Garaus.

Eines Tages ging Abu Zar’ nach draußen, zur der Zeit, als die Milch geschleudert wurde. Er traf auf eine Frau, sie hatte zwei Knaben, die Geparden glichen, mit Granatäpfeln spielten und nicht von ihrer Seite wichen. Da schied er sich von mir und nahm sie zur Frau.

Dann heiratete ich einen anderen Mann, edel und großmütig auch er, mit seiner Lanze zu Ross ein ansehnlicher Ritter. Er beschenkte mich reichlich und mehr, Er gab mir von jedem Weidetier ein Paar. Und er sagte zu mir: Iss Umm Zar’, und versorge die Deinen! Doch wenn ich alles zähle, was ich von ihm hab, es kommt nicht der kleinsten Schale gleich, die Abu Zar’ mir gab.“

Aischa berichtete weiter: Der Gesandte Gottes sagte dann zu mir: „Ich bin für dich wie Abu Zar’ für Umm Zar’, nur dass er sich von ihr geschieden hat und ich mich nicht von dir scheide.“

1 Es gibt Überlieferungen, in denen die genaueren Umstände dokumentiert werden, allerdings reicht die Verlässlichkeit ihrer Überlieferungswege nicht an die der Sitzung selbst heran. Zudem sind sie nicht frei von Widersprüchen.

2 Nach der volliegenden Version berichtet Aischa genaugenommen nicht dem Propheten, Gottes Segen und Frieden über ihn, sondern späteren Zuhörern. Am Ende kommt der Prophet selbst zur Sprache, das heißt, es geht um ein Gespräch zwischen beiden, von dem Aischa späteren Generationen berichtet. Wahrscheinlich hat sie dem Propheten erzählt und er hat die ganze Zeit zugehört. Vielleicht hat aber auch der Prophet seiner Frau diese Geschichte erzählt, so wie es eine andere Version des Hadith nahelegt.

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Die Übersetzung orientiert sich an der Version von Bukhari. Der letzte Halbsatz findet sich u.a. in der Version von Nisa’i.

Übersetzung: Mohamed Laabdallaoui

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Monat Januar 2010

Itban, der Imam der Banu Salim

 

Die Häuser des Stammes der Banu Salim befanden sich ein wenig außerhalb von Medina. Sie verrichteten ihr Gebet in der Regel nicht in der Moschee des Propheten, Gottes Segen und Frieden über ihn, sondern hatten eine eigene Moschee. Ihr Imam war Itban bin Malik, einer jener Sahaba, die Badr miterlebt hatten. Er wohnte etwas abseits. Um zur Moschee zu gelangen, musste er jedes Mal ein ausgetrocknetes Flussbett durchqueren.

„Zwischen mir und ihnen verlief ein Tal. Wenn der Regen kam, wurde es mir zu einem Hindernis auf dem Weg zu ihnen,” erzählte er später einmal. Anscheinend war er schon etwas älter und es war ihm nicht leicht, den Fluss zu überqueren.

“Da ging ich zum Gesandten Gottes, Sein Segen und Frieden über ihn, und sagte: ‚Ich kann nicht mehr so gut sehen und das Tal, das zwischen mir und den Leuten meines Stammes liegt, führt Wasser, wenn es geregnet hat. Das macht es mir schwer, es zu überwinden. Könntest du denn nicht vorbeikommen und das Gebet in meinem Haus an einer Stelle verrichten, die ich dann zum Gebetsplatz mache?’ ”

Der Gesandte Allahs pflegte eine unkomplizierte Art im Umgang mit den Anliegen der Leute. Er war gleich einverstanden und vereinbarte eine bestimmte Zeit für seinen Besuch.

“Eines Tages, als die Sonne hoch am Himmel stand, kam er zusammen mit Abu Bakr,” berichtet Itban weiter. Er bat um Einlass, und ich hieß sie hereinkommen. Noch bevor sich der Gesandte Gottes hinsetzte, fragte er: ‚An welcher Stelle deines Hauses magst du denn, dass ich das Gebet verrichte?’ Ich zeigte ihm die Stelle, die ich dafür vorgesehen hatte.” Mit dar kann ein Haus gemeint sein oder auch ein Anwesen mit seinem Gehöft.

“Der Gesandte Allahs, Sein Segen und Frieden über ihn, stellte sich zum Gebet hin und wir stellten uns hinter ihn in die Reihe. Er sprach das Takbir, Allahu akbar, zum Eintritt ins Gebet, betete zwei Rak’at und sprach dann den Friedensgruß, Salam, zur Beendigung des Gebets. Wir folgten ihm darin. Dann wollte er gehen, aber ich hielt ihn zurück und lud ihn zu einem Gericht, das für ihn zubereitet worden war.”

Es kommt relativ selten vor, dass eine Aussage des Propheten uns in der Art überliefert wird, wie es Itban in diesem Falle getan hat. Meistens beginne die Brichte nur mit “Der Gesandte Allahs sagte” oder ähnlich, ohne dass uns ihr Anlass mitgeteilt wird. In diesem Fall erzählt Itban soger eine ganze Vorgeschichte, die mit dem nachfolgenden Teil, in dem die Aussage des Propheten wiedergegeben wird, nicht direkt etwas zu tun hat:

“Die Leute des Viertel erfuhren von der Anwesenheit des Gesandten Gottes, Sein Segen und Frieden über ihn. Sie eilten herein, bis viele Männer im Hause waren. Einer von ihnen fragte: ‚Wo ist Malik? Ich sehe ihn nicht.’ Einer der Männer antwortete ihm: ‚Das ist ein Heuchler! Er liebt weder Gott noch Seinen Gesandten!’ Da sagte der Gesandte Gottes, Sein Segen und Frieden über ihn: ‚Sag das nicht. Siehst du denn nicht, dass er la ilaha illa llah sagt, kein Gott außer Allah, und damit Gottes Antlitz sucht?’ ‚Allah und Sein Gesandter wissen es besser,’ erwiderte der Mann, ‚aber bei Gott, was wir sehen ist, dass seine Liebe nur den Heuchlern gilt und dass er sich nur mit ihnen unterhält.’ Der Gesandte antwortete ihm: ‚Aber Gott hat dem Feuer jene Menschen verboten, die la ilaha illa llah sagen und damit das Antlitz Gottes suchen.’

Dieser Bericht wurde von Bukhari und Muslim überliefert; vgl. Imam an-Nawawi: riyad as-salihin , Hadith Nummer 417.

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Monat Dezember 2009

Ein Baum erzählt

 

Ganz zu Anfang war ich ein winziges Samenkorn. Das setzte man ins Erdreich, begoss es von Zeit zu Zeit und schützte es vor Hitze und Kälte. Niemand aber sah, was in meiner finsteren Behausung mit mir passierte. Irgendwann gelangte ich dann in Gestalt eines zarten Setzlings ans Tageslicht. Eine Zeitlang blieb ich ein kleines Bäumchen, das man hegte und pflegte und vor üblem bewahrte. Dann aber begann ich zu wachsen, Äste und Zweige auszustrecken, zu blühen und schließlich herrliche süße Früchte zu tragen.

Ich bin zwar nur ein Baum, doch bringe ich großen Nutzen: die Menschen lieben meine köstlichen Früchte und den belebenden Duft meiner Blüten. Aus diesen wiederum ziehen die Bienen den Honigseim. Zwischen meinen Ästen und Zweigen bauen die Vögel ihre Nester, wo sie Schutz vor Witterungsunbilden finden und ihre Jungen aufziehen. Mit ihrem lieblichen Zwitschern und Singen danken sie mir und erfreuen die Menschen, die in meinem Schatten Rast machen. Meine trockenen Zweige verwendet man zum Feuermachen. Wer mich zur Unzeit fällt, oder mich nicht schützt, der richtet großen Schaden an!

Zu allen Zeiten war ich mit allem was ich habe den Menschen von Nutzen: aus den Hohlräumen in meinem Stamm nahmen sie den Honig der wilden Bienen; mit meinem Holz entzündeten sie das wärmende Feuer; die Kohlelager des Carbonzeitalters habe ich gelegt; ich war das Baumaterial ihrer Häuser, ihrer Möbel. Schiffe, Flugzeuge, Eisenbahnwaggons baute man früher aus meinem Holz. Verständige Leute wissen, dass man ohne mich einfach nicht auskommt. Ja, unzähligen Nutzen hat die Menschheit von mir. Ich aber weiß, dass ich all dies nur der Gnade Gottes zu verdanken habe. Er ist es, der mich erschuf. Er ist es, der mein Dasein so sinnvoll macht. Wie undankbar wäre es, wollte ich das nicht erkennen!

“O mein Gott, der du mich aus einem winzigen Korn zu dieser Bedeutung hast gelangen lassen! Du bist erhaben über jedem und allem. Du bist allmächtig. Du hast mich erschaffen. Du hast mir all dies Schöne gegeben. Du hast mir die Gnade so großen Nutzens gewährt. Du bist der einzige Gott. Niemand ist der Anbetung würdig außer dir. Dein Name sei gepriesen!”

aus:

“Isam lernen Islam leben”

Ahmet Hamdi Akseki

(übers. Achmed Schmiede)

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Monat November 2009


 

Der Löwe und der Wolf

Ein Sufibruder zieht durch das Land. Da beobachtet er, wie ein Löwe einem kranken, verletzten Wolf, der unter einem Baum lag, Futter herbeibringt.

Oh Allmächtiger Gott,” sagt er. So versorgst du deine Geschöpfe, die dir ergeben sind.

Er überlegte sich: „Warum soll ich ständig auf Wanderschaft sein und die Menschen um Nahrung bitten, wenn doch Gott der wahre Nahrungsgeber ist?

Und sogleich ließ er sich ebenfalls unter einem Baum nieder. Voll Gottvertrauen erwartete er nun die göttliche Versorgung. Er wartete einen Tag, er wartete zwei Tage. Sein Hunger wurde immer größer, doch kein Essen viel vom Himmel.

Am dritten Tag schickte Gott ihm einen Engel. Dieser brachte ihm die folgende Botschaft:

»Bei Gott ist der Löwe der Angesehenere, weil der Gebende immer über dem Nehmenden steht. Wenn du Ansehen bei Gott willst, dann: Werde wie der Löwe! «


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Monat Oktober 2009

Umar nimmt den Islam an

 

Als dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, seine Sendung offenbart wurde, war ‘Umar 27 Jahre alt. Der junge ‘Umar kümmerte sich nicht um die Botschaft des Islam, denn er war für die gewohnte Lebensweise. Im Laufe der Jahre machte der Islam langsam Fortschritte. Das ärgerte ‘Umar. Die Leute, die den Islam angenommen hatten, kehrten nie zu ihrem alten Glauben zurück, was die Oberen von Mekka auch immer dagegen tun mochten. Als eine von ‘Umars Dienerinnen Muslima geworden war, schlug er sie heftig. Aber sie wollte nicht von ihrem neuen Glauben ablassen. Als im sechsten Jahr der Sendung des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, eine Anzahl von Muslimen nach Abessinien aufbrach, kochte ‘Umar vor Wut.

Er dachte:

“Da ist ein Mann, der das Volk gespalten hat. Es lebte friedlich dahin. Dann erschien er und riss den Sohn vom Vater und den Bruder vom Bruder. Nun rennen seine Anhänger in ein anderes Land. Nur Muhammad ist die Ursache all dieser Unruhe. Ich muss ihn töِten, um dem Verdruß ein Ende zu machen.”

Mit diesem Entschluss nahm ‘Umar sein Schwert und zog es aus, um den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, zu tِöten. Unterwegs traf er einen Freund, der ihn fragte, warum er so verwirrt dreinschaue. ‘Umar sagte ihm, was er zu tun gedenke.

Der Freund sagte zu ihm:

“Du solltest erst einmal auf deine eigene Verwandtschaft achten. Deine Schwester und ihr Mann haben den Islam angenommen!”

Durch diese Worte wurde ‘Umars Zorn in eine andere Richtung gelenkt. Er ging geradewegs zum Haus seiner Schwester Fatima Bint Al-Hattab und klopfte an die Tür. Drinnen rezitierte jemand den Qur’an. Fatima erschrak, als sie ‘Umars Stimme höِrte. Sie versteckte die Qur’an-Blätter, in denen sie gerade gelesen hatte, und ِöffnete die Tür.
‘Umar fragte:

 

“Was hast du gerade aufgesagt?”

Die Schwester antwortete:

“O, nichts”


“Wieso nichts?”
rief er zornig aus, “ich habe alles genau gehِrt. Ich weiß, dass ihr beide Muhammads Glauben angenommen habt.”

 

Während er dies sagte, begann er seinen Schwager Sa´id zu schlagen. Fatima kam diesem zu Hilfe und bekam einen Schlag auf den Kopf, so dass er zu bluten anfing. Dies machte das Paar erst recht mutig;

“Ja, wir sind Muslime geworden”, schrien sie ‘Umar an, “mach, was du willst! “


Der Anblick der blutenden Schwester berührte ‘Umar sehr. Fatima war eine so liebe Schwester! Sicher musste im Qur’an etwas Wahres enthalten sein, das ihr unschuldiges Herz gewonnen hatte.

“Würdest du mich einen Blick in den Qur’an werfen lassen?” fragte ‘Umar.


Nach langem Zöِgern händigte ihm Fatima die wenigen Blätter des Qur’ans aus, die sie besaß und die die ersten acht Verse aus der 57. Sura enthielten.

‘Umar setzte sich, um diese Seiten zu studieren. Sein Gesichtsausdruck änderte sich bald, und sein Zorn kühlte sich ab, als er die ersten acht Verse las, welche lauten:

 

“Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Es preist Allah, was in den Himmeln und was auf der Erde ist, und Er ist der Erhabene, der Allweise. Sein ist das Kِnigreich der Himmel und der Erde. Er macht lebendig und lässt sterben, und Er hat Macht über alle Dinge. Er ist der Erste und der Letzte, der Sichtbare und der Verborgene, und Er ist der Kenner aller Dinge. Er ist es, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf, dann wandte Er Sich majestätisch Seinem Reich zu. Er weiß, was in die Erde eingeht und was aus ihr hervorkommt, was vom Himmel herniederkommt und was zu ihm aufsteigt.

Und Er ist mit euch, wo immer ihr (auch) sein möِget. Und Allah sieht alles, was ihr tut. Sein ist das Köِnigreich der Himmel und der Erde; und zu Allah werden alle Dinge zurückgebracht. Er lässt die Nacht in den Tag und den Tag in die Nacht eintreten; und Er ist der Kenner all dessen, was (ihr) in den Herzen hegt. Glaubt an Allah und Seinen Gesandten und spendet von dem, zu dessen Erben Er euch gemacht hat. Und jenen von euch, die glauben und spenden, wird ein großer Lohn zuteil sein. Was ist euch, dass ihr nicht an Allah glaubt, obwohl der Gesandte euch aufruft, an euren Herrn zu glauben; und Er hat von euch bereits ein Versprechen abgenommen, wenn ihr Gläubige seid.”

Die Furcht vor Allah (subhanahu wa ta’ala) ergriff ‘Umars Herz. Er weinte und erklärte:

 

“Sicher, dies ist das Wort Allahs. Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist!”


´Umar setzte seinen Weg zum Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, weiter fort, aber jetzt war er ein verwandelter Mann.

Jetzt ging er nicht zu ihm, um ihn zu tِöten, sondern um vor ihm seinen Glauben kundzutun.

Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, saß mit einigen Männern zusammen. Als er ‘Umar kommen sah, fragte er ihn:

” ‘Umar, was führt dich zu mir?”


‘Umar antwortete:


“O Prophet Allahs, ich komme, um den Islam anzunehmen.”

Die Freude des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, und seiner Anhänger war groß. Laute Rufe “Allahu akbar!” schallten durch Mekka. Bald wusste jeder, dass ‘Umar kein Feind des Islam mehr war. Es war ein großer Tag für den Islam, weil einer seiner ärgsten Feinde sein fester Anhänger geworden war.

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Monat September 2009

Der schöne Reichtum

 

Mitte des 6. Jahrhunderts ehrte Abdulkadir Geylani (rahimahullah) die Welt,
Ein Diener Allahs, der den Islam aus der Dunkelheit
wieder zum Leuchten brachte.
Er war ein Sehr Reicher Mann, aber sein Reichtum beschäftigte Ihn nicht,
Er sagte über das reich sein:


“Geld sollte in der Hand bleiben, nicht in das Herz rein”

 

Es gab aber einige Menschen die üble Nachrede (Lästerei) über ihn führten,
Er nutze den Glauben der Menschen aus, um sich ein
schönes Leben und Reichtum zu machen..
Einer von ihnen, der am meisten über Geylani (rahimahullah) übelredete sagte:

“Jemand, der soviel Geld besitzt kann weder ein Scheikh oder sonst noch was sein.”

 

Als dieser im Bett lag, war er stolz auf sich, aufdrung dessen, was er zum Schluß sagte
und schlief mit diesem Gedanken ein. Er fing an zu träumen..

 

Er träumte, vom jüngsten Gericht,

Und die Waagen aus Nur (Licht) kamen vor den Menschen

und sie wiegten die guten und die schlechten Taten..

Und je nachdem, was man auf der Waage hatte, leiteten die Engeln sie in die Gruppe Hölle oder Paradies.

Als er an der Reihe war, kam plötzlich ein wütender Mann, welcher den Engeln bewies, dass er dem Mann 10 Goldstücke schuldete, die er ihm nicht zurückgezahlt hatte, und wollte dafür Gerechtigkeit haben,

er solle sie bezahlen oder dafür in die Hölle gehen,

seine Strafe dort bezahlen..

Darauf packten die Engel ihn in die Gruppe der Menschen, die in die Hölle gehörten,

nur wegen 10 Goldstücke, die er einem Menschen schuldete musste jetzt Er in die Hölle gehen..

Er stand in der Reihe Richtung Hölle und näherte sich Schritt für Schritt ans Feuer. Einige Schritte später kam ein Mann auf einem Pferd, in dessen Gesicht “Nur” (Licht) leuchtete, sein Pferd war mit jeglicher Art Diamanten beschmückt. Dieser Mann fragte die Engel:

“Dieser hier war doch für das Paradies bestimmt, warum steht er in dieser Reihe?”

 

Die Engel sprachen:

“Jemand kam und erzählte, dass er seine Schulden nicht bezahlte,
und wollte für sein Recht, so dass er mit der Hölle bestraft wird.
Wir haben diese Aussage geprüft und der Mann hatte Recht.
Deswegen bringen wir ihn dahin.”

 

Der Mann auf dem Pferd lächelte ihn an und sagte:

 

“Nein nein, du must nicht in die Hölle!
Nehme von meinem Pferd so viel Gold oder Schmuck wie du brauchst, gehe und bezahle deine Schulden.”

 

Er wagte sich nicht, so gab der Mann auf dem Pferd ihm einige Diamanten.

Er nahm sie in voller Freude und ging zu dem Mann, dem er das Geld geschuldet hatte.
Als dieser die Diamanten sah, nahm er sie sofort an,
und während er sie in seine Tasche packte, sagte er:

“Wir sind jetzt quitt, du schuldest mir nichts mehr.

Wenn immer noch was üblich ist dann ist es von mir aus ok (Helal).”

 

Die Engel befreiten ihn daraufhin von der Gruppe der Höllenbewohner und stellten ihn in die Gruppe der Paradiesbewohner.
Er war so glücklich, er sprach zu dem Mann auf dem Pferd:


“Was ist das für ein schönes Reichtum, das mich von dem Feuer befreite?”

 

 

Der Mann auf dem Pferd, welches mit Perlen, Diamanten, Smaragd und Safir beschmückt war, sagte mit einem Lächeln im Gesicht:



” Verstehst du jetzt das Geheimnis meines Reichtums?
Ich brauche das Geld nicht für mich,
Ich gebrauche es für Menschen die im Not sind wie du.
Ich bin Geylani, über den du die ganze Nacht geschwätzt hast”.


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Monat August 2009

Malik ibn Dinar (radhiyallahu ‘anhu) und der Dieb


Eines Nachts trat ein Dieb in das Haus von Malik ibn Dinar ein…
Er schaute sich um, Malik zu bestehlen, aber er fand nichts zum Klauen.
Er wollte wieder herausgehen, weil er nichts fand. Malik beobachtete ihn, ohne, dass der Dieb es bemerkte, als der Dieb herausgehen wollte, sprach er zu dem Dieb:

“Mein lieber Gast, warum so eilig?”

Der Dieb erschrak sich, wusste nicht was er tun sollte, aber die Stimme des Sahabas (radhiyallahu ‘anhu) war auch nicht bösartig…


“Tut mir leid, etwas Weltliches hast du bei mir nicht verdient,
aber willst du etwas für die andere Welt, für das Jenseits, verdienen?”

 

Der Dieb war voll in Schock, zum ersten Mal wurde er nicht böse behandelt, und fand dies und die Art und den Moment sehr beruhigend.


“Ja natürlich, warum nicht”, sagte der Dieb


“Ok, dann beruhige dich, denn ich bin kein Feind, ich bin dein Freund.
Hier ist Wasser, reinige dich und mache danach hier 2 Rak’ah”


Der Dieb nahm das Angebot an, er wusch sich und verrichtete sein Gebet, danach sagte der Malik ibn Dinar:

“Bleibe die Nacht hier, du brauchst keine Angst haben. Ruhe dich aus”

Der Dieb nahm dieses Angebot auch an, er übernachtete bei ihm. Am nächsten Morgen sagte Malik:


“Wir gehen in die Moschee für das Morgengebet”


Der Dieb ging mit, irgendwie konnte Er sich von diesem Mann nicht trennen und nein sagen, nach dem Gebet kamen einige Einwohner des Dorfes zu Malik und fragten:

Wer ist denn dieser junge Mann, bis heute haben Wir
Ihn hier nicht gesehen”


Malik antwortete:


“Jemand, der uns bestehlen wollte, aber wir,
haben ihn gestohlen”



[al-Mawaa'idh wal-Majaalis: 85]
Übersetzung aus: Stories of Repentance von Muhammad Abduh Mughawiri


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Monat Juli 2009

Der gestohlene Hahn

 

Eines Tages kam ein Mann zu al-Imam al-A’zam Abu Hanifa, den Gründer der Rechtsschule der Hanafiten und verlangte von Ihm:

‘Mein Sehr Geehrter Herr! Jemand hat von dem Stall in meinem Garten meinen Hahn gestohlen. Ich verlange von Ihnen, den Dieb zu finden!’

 

Abu Hanifa begann zu denken, denn das war doch keine religiöse Frage, die er mit dem Koran und die Hadith beantworten könnte.

 

‘Ich kann die Lösung dieses Problemes nicht finden. Bitte erzählen sie das Khalifa Mansur’s Polizisten. Nur sie können Ihr Problem lösen!’

Aber der Mann akzeptierte das nicht und drängte ihn dazu:

‘Sie können dieses Problem viel besser lösen als die Polizisten. Sie werden den Dieb meines Hahnes finden!’

 

Abu Hanifa hatte sehr viel versucht um den Mann abzuwehren aber umsonst:

‘Sie sind doch ein solcher Gelehrter, der nicht nur religiöse Sachen zur Lösung bringt, sondern der auch den Dieb meines Hahnes finden kann.’

 

Als Abu Hanifa begriff, dass der Mann nicht aufgeben würde, sagte er:

‘Na dann, lade alle Verdächtigen zum Mittags Gebet in die Moschee ein und sage dass Ich mit Ihnen sprechen möchte.’

Der Mann ging und lud alle in die Moschee, die er verdächtigte und sagte zu jedem:

‘Kommt zum Mittags Gebet in die Moschee. al-Imam al-A’zam will euch dort sehen.’

 

Alle Verdächtigen kamen zur Moschee. Nach dem Gebet stieg Abu Hanifa zum Minbar, sah langsam und sorgfältig jedenVerdächtigen an und schimpfte mit einer sehr zornigen Stimme:

‘Der, der seines Nachbarn Hahn gestohlen hat! Schämst du dich nicht in die Moschee zu kommen, weil die Federn des Hahnes an deinem Kopf verklebt sind?’

 

Nach diesen zornigen Worten wurde es in der Moschee sehr still. Niemand bewegte sich. Aber eine Hand von Ihnen ging gedankenlos zum Kopf und suchte ob dort wirklich Federn sind.

Abu Hanifa rief den Verdächtigen heimlich zu sich und verlangte:

‘Gib deinem Nachbarn den Hahn, oder zahle das Geld dafür!’

 

Der Dieb bemerkte dass er diese Lage nicht ändern konnte und dankte:

‘Ja, das werde Ich. Dazu danke Ich Ihnen, dass sie mich in der Gemeinschaft nicht unwürdig gemacht haben!’

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Monat Juni 2009

Der Khalif Omar bin Al-Khattab und die arme Frau


 

Omar bin Al-Khattab war der zweite Rechtgeleitete Khalif des Propheten nach Abu Bakr Siddiq.

Er regierte etwa 10 Jahre lang, in denen Gerechtigkeit und Ordnung im islamischen Staat herrschten. Das hatte unter anderem damit zu tun, dass Omar seine Pflichten als Khalif sehr ernst nahm und sogar persönlich dafür sorgte, dass es den Muslimen immer gut ging. Omar war ein sehr respektierter wie auch gefürchteter Mann. Andererseits war er auch sehr bescheiden und gottesfürchtig, wie uns das die folgende Geschichte bestätigen wird.

Die Geschichte wird uns von Aslam, dem Diener des Khalifen erzählt:

„Als wir in einer kalten Nacht unseren nächtlichen Rundgang machten, bemerkten wir
außerhalb der Stadt eine Rauchwolke. Wir näherten uns dem Lager und fanden eine Frau mit ihren kleinen Kindern, die laut schrien. Der Khalif grüßte die Frau und sie erwiderte seinen Gruß, ohne ihn erkannt zu haben.

Der Khalif fragte: ‚Darf ich mich nähern?’

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Die Frau antwortete: ‚Nur wenn du behilflich sein kannst, ansonsten lass uns bitte in Ruhe.’

Omar näherte sich und fragte, warum ihre Kinder weinten?

Die Frau erklärte: ‚Die Kälte und der Hunger haben den Kleinen zu schaffen gemacht.’
Omar fragte verwundert: ‚Und was kocht im Topf, der über dem Feuer hängt?’

Die Frau: ‚In dem Topf ist nur Wasser, so täusche ich den Kindern das Kochen vor,

bis sie vor Erschöpfung einschlafen. Allah stehe zwischen uns und Omar, denn Er sieht alles’.

Omar antwortete, sich verteidigend: ‚Möge Allah dir verzeihen, woher soll Omar von eurer Misere wissen?’

Die Frau antwortete: ‚Er übernimmt unsere Verantwortung und vergisst uns dann?’

Diese Worte trafen den Khalifen mitten ins Herz und er sagte zu mir (seinem Diener Aslam):

‚Lass uns gehen.’

Wir eilten zur staatlichen Vorratskammer und holten einen Sack Mehl und etwas Butterschmalz vom Schaf (arab.: Samna). Der Khalif bat mich, ihm zu helfen, um den Sack auf seinen Rücken zu laden. Ich sagte zu ihm:

‚Oh, du Amir Al-Mu’minin, lass mich den Sack für dich tragen.’

Da wurde er wütend und fragte mich: ‚Trägst du meine Lasten (schlechte Taten) am Jüngsten Tag?’ Also half ich ihm und wir eilten wieder zurück, bis wir am Zeltlager ankamen.

 

Der Khalif fing direkt mit dem Kochen an. Er wärmte das Schmalz auf, bis es schmolz, und bat die Frau, das Mehl nach und nach in den Kochtopf zu geben, während er ununterbrochen rührte. Es war eine mühselige Arbeit, die Omar nicht der geschwächten Frau überlassen wollte. Zwischendurch musste Omar ins Feuer pusten, damit es nicht erlosch, bis das Essen schließlich nach einer Stunde bereit war .

Die Frau brachte ihm eine Holzplatte, auf die Omar das Essen ausbreitete, damit es auskühlte. Dann bat er die Frau, ihre Kinder zu füttern, bis sie satt wurden und er hinterließ ihr genau soviel Essen, wie sie gegessen hatten.

Als wir aufstanden, um zu gehen, sagte die Frau gerührt: ,Jazaka Allahu Khairan (Möge Allah dich mit Gutem belohnen), du hast die Stelle des Amiru Al-Mu’minin mehr verdient als Omar.’

Omar erwiderte: ‚Sag nur gutes über Omar, denn wenn du zu Omar gehst, wirst du mich Inschaa Allah dort vorfinden.’ Wir verließen das Lager nicht, ehe Omar sich sicher war, dass alle Kinder satt und zufrieden eingeschlafen waren. Er sagte zu mir: ,O Aslam, ich fand sie vor Hunger weinen und wollte nicht gehen, ehe ich sie satt und zufrieden sah.’

Erst nach Omars letztem Satz erfuhr die Frau, wer der liebevolle, fürsorgliche Mann war. Es war Amiru Al-Muiminin persönlich gewesen, dem es weder an seiner Kleidung, noch an seiner Redensart oder an seinem Verhalten anzumerken war, wer er in Wirklichkeit war.

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Monat Mai 2009

Ibrahims Reisen

Ibrahim, Lut und die Gottesfürchtigen wanderten zunächst nach Nordwesten, immer an den beiden großen Strömen Euphrat und Tigris entlang. Dort gab es damals viel fruchtbares Land und große Städte. Sie hatten ihr Vieh bei sich, das überall gute Weide fand, und sie verdienten auch einen Teil ihres Lebensunterhalts durch Handwerk und Handel.

Schließlich kamen sie in die Stadt Babylon, in der zu jener Zeit der mächtige König Nimrud herrschte. Dieser war ein richtiger Tyrann und beim Volk gefürchtet. Er führte zahlreiche Kriege und wollte die ganze Welt erobern, aber schon jetzt war er größenwahnsinnig geworden und verlangte von seinen Untertanen, dass sie ihn als Gott anbeteten und ihm Opfer brachten. Das ist an und für sich nicht weiter merkwürdig, denn im Laufe der Menschheitsgeschichte waren viele Könige, Kaiser und Diktatoren von dieser Wahnidee befallen, wenn auch nicht alle ihren Befehl in diese Worte gefasst haben. Wie viele Millionen Menschen sind solchen wahnsinnigen Herrschern zum Opfer gefallen!

Nimrud hatte bereits zuvor einen hohen Turm bauen lassen. Dieser sollte bis an den Himmel reichen, oder wenigstens ziemlich in die Nähe, und noch bevor der Turm ganz fertig war, stieg Nimrud, ungeduldig, dem Volk seine Macht zu beweisen, hinauf und schoss einen Pfeil in den Himmel. „Jetzt habe ich euren Gott getötet”, sprach er daraufhin zu seinem Volk, „und ihr sollt niemanden anbeten außer mir.” Auch das ist nicht weiter merkwürdig, denn in späteren Jahrhunderten haben immer wieder mächtige und gelehrte Männer gesagt: „Gott ist tot”, und von den Völkern verlangt, ihren verschiedenen Theorien zu folgen. Und wie viele Millionen Menschen sind dadurch geradewegs in ihr Verderben gelaufen!

Ibrahim gelangte also in die Nähe der Stadt Babylon, und die Gottesfürchtigen schlugen dort ihre Zelte auf und begannen, in der Stadt ihre Arbeit anzubieten und ihre Waren zu verkaufen. Natürlich erfuhr der König durch die wachsamen Beamten sofort von der Ankunft der Fremden, und dass sie Diener des einzigen Gottes waren, den Nimrud angeblich getötet hatte. Der König befahl sofort, Ibrahim zu ihm zu bringen. Er sprach zu Ibrahim: „Ich bin der Gott in diesem Land. Was ist das für ein Gott, den du an meiner Stelle anbetest?” Ibrahim sprach: „Ich bin ein Diener Allahs, des Herrn der Welten, aus dessen Hand Leben und Tod über Seine Geschöpfe kommen.” „Unsinn!” rief der König. „Ich bin es, der lebendig macht und tötet.” Mit einem Wink seiner Hand gab er den Befehl, hundert Gefangene aus dem Gefängnis zu bringen. Als diese in einer Reihe vor ihm standen, ließ er fünfzig zur rechten und fünfzig zur linken Seite treten. Die auf der rechten Seite standen, ließ er frei, die anderen fünfzig ließ er auf der Stelle hinrichten.„Siehst du nun, dass ich der wahre Gott bin?” fragte er triumphierend.

Aber Ibrahim war überhaupt nicht beeindruckt. Er sprach zu dem Tyrannen: „Mein Herr lässt jeden Tag die Sonne im Osten aufgehen. Bring du sie doch einmal von Westen.”

Das konnte Nimrud natürlich nicht. Er wurde sehr wütend, weil Ibrahim vor ihm gar keine Angst zu haben schien, und gleichzeitig fürchtete er, der fremde Prophet könnte unter seinem Volk die Wahrheit bekannt werden lassen. Am liebsten hätte er Ibrahim sofort getötet, aber er wusste andererseits auch nur zu gut, dass er in Wirklichkeit Allah nicht getötet hatte, sondern nur vor dem Volk einen Schwindeltrick gezeigt hatte. Er befahl daher seinen Soldaten, Ibrahim und die Gottesfürchtigen so schnell wie möglich aus dem Land zu vertreiben.

Schon bald danach fielen mächtige Feinde über das Reich her und zerstörten die prächtigen Städte. Einige davon, wie Babylon, wurden Jahrhunderte später mit noch größerer Pracht wieder aufgebaut, aber von den ursprünglichen Städten sind noch viele Ruinen bis heute erhalten geblieben, und auch Teile des Turmes stehen noch. Nachdem Ibrahim das Land verlassen hatte, gelangte er ins Gebirge.

Während seine Leute die Zelte aufbauten und die Tiere auf die Weide trieben, wanderte Ibrahim an einem einsamen Ort umher, um zu beten und nachzudenken. Er sprach zu Allah: „Zeig mir doch einmal, wie Du die Toten zum Leben erweckst.” Allah erwiderte: „Hast du etwa kein Vertrauen zu mir?” „Doch”, sprach Ibrahim, „nur damit mein Herz beruhigt wird.” Da befahl Allah Ibrahim, vier Vögel zu fangen und sie zu zähmen. Dann sprach Er: „Zerteile sie und bring ihre Teile auf vier verschiedene Berge.” „Nun ruf die Vögel zu dir”, sprach Allah. Und kaum hatte Ibrahim die Vögel gerufen, da kamen sie auch schon angeflogen und setzten sich auf seine Schultern. Nach jahrelanger Wanderung gelangten Ibrahim und die Seinen in das Land Palästina. Dort blieb Lut in der Stadt Sodom, denn Allah hatte ihn zum Gesandten für ihre Bewohner bestimmt, und auch die meisten anderen von Ibrahims Gefährten siedelten sich in der Nähe an. Nur Ibrahim und seine Frau Sarah brachen schon nach kurzer Zeit zu weiteren Reisen auf. Sie durchwanderten das Land in alle Richtungen und gelangten schließlich nach Ägypten. Ibrahim tat, wie ihm befohlen war, und kehrte zu seinem Platz zurück.

Dieses fruchtbare Land an den Ufern des Flusses Nil war damals ein wichtiges Zentrum der Wissenschaften und Künste. Wie in Ibrahims Heimat im Zweistromland, so gab es auch hier große, prächtige Städte mit Palästen, Tempeln und Denkmälern, und die Bibliotheken waren vielleicht sogar noch ein bisschen älter und größer als in Ur und Babylon. Jedes Jahr überschwemmte der Nil das ganze Land und brachte fruchtbaren schwarzen Schlamm auf die Felder, und dann kamen die weltberühmten Meister der Mathematik und teilten das Land neu auf und wiesen jedem Bauern seinen Anteil zu. Die Astronomen waren Jahr für Jahr damit beschäftigt, die Sterne zu beobachten, um die genaue Zeit für die Nilüberschwemmung vorauszuberechnen, damit nur ja kein Schaden entstand. Alle Wissenschaften und Künste der damaligen Zeit waren im Land Ägypten bekannt. Die Menschen aber waren wiederum so stolz auf ihre eigene Leistung, dass sie an Allah überhaupt nicht mehr dachten. Am stolzesten und übermütigsten war ihr König, der Pharao. Dieser behauptete, er sei der Sohn der Sonne, und seinen Befehlen mussten die Menschen bedingungslos gehorchen. Sogar bis über ihren Tod hinaus wollten die ägyptischen Könige vor der ganzen Welt ihre Macht beweisen. Darum befahlen sie schon zu Lebzeiten Millionen von Sklaven, aus riesigen Steinblöcken die Pyramiden zu bauen, in denen sie dann mit all ihrem kostbaren Besitz beigesetzt werden sollten, nachdem sie zuvor von den berühmten Ärzten des Landes mit kostbaren Salben einbalsamiert worden waren, so dass ihr Körper jahrtausendelang erhalten blieb.

Ibrahim reiste nun mit seiner Frau Sarah durch das Land und traf viele der berühmtesten Gelehrten. Da er selbst ja auch ein Gelehrter war, führte er viele nützliche Gespräche mit ihnen. Sicher hat er ihnen auch von Allah erzählt und von Seinen früheren Gesandten, aber wir wissen nicht, wie viele Ägypter damals auf ihn gehört haben. Wahrscheinlich waren die meisten zu sehr mit sich selbst beschäftigt und haben seine Rede höflich abgelehnt.

Schließlich kamen Ibrahim und Sarah in die Hauptstadt des Landes. Der König, der dort in seinem riesigen Palast residierte, war ein grausamer Tyrann. Er hatte ein gewaltiges Heer von Soldaten, die er auf Kriegszüge ausschickte, und Sklaven, die für ihn arbeiten mussten. Ja, er betrachtete das ganze Volk als seine Sklaven.

Der König erfuhr sehr bald, dass ein Fremder in der Stadt angekommen war, und mit ihm zusammen eine außerordentlich schöne Frau. Sobald er aber von schönen Frauen hörte, wollte er sie für sich selbst behalten, und damit hatte er schon viel Leid über die Familien seiner Untertanen gebracht.

Er ließ Ibrahim zu sich kommen und fragte ihn, wer die Frau sei, die mit ihm zusammen reise. Ibrahim wusste wohl, dass dieser Tyrann, wenn er erfuhr, dass sie seine Frau war, ihn töten und Sarah mit Gewalt bei sich behalten würde. Darum erwiderte er: „Sie ist meine Schwester.” Das ist ja auch nicht gelogen, denn alle Gottesfürchtigen sind wie Brüder und Schwestern.

Da schickte ihn der König fort und befahl seinem Diener, Sarah zu holen. Ibrahim hatte gerade noch Zeit, ihr mitzuteilen, was er dem König gesagt hatte. Dann konnte er nur noch warten und beten und auf Allahs Hilfe vertrauen.

Als Sarah vor den König geführt wurde, sprach dieser: „Ich will, dass du meine Frau wirst.” Und er wollte sie anfassen. Aber als er seine Hand nach ihr ausstreckte, bekam er einen gewaltigen Schlag, und er fiel mit Krämpfen zu Boden und strampelte mit den Beinen. „Ach bitte”, rief er unter Schmerzen, „bete doch zu deinem Gott, dass Er mir hilft. Ich will dir auch nichts tun!” Dies tat Sarah, doch kaum hatte der König den Anfall überstanden und fühlte sich wieder besser, da sagte er: „Komm nun!” und streckte wieder seine Hand nach ihr aus. Sofort erhielt er wieder einen Schlag, stärker als den ersten, und er wälzte sich mit Krämpfen auf dem Boden und glaubte, dass er nun bald sterben müsse.

„Ach bitte”, flehte er, „hab Mitleid mit mir und bete zu deinem Gott, dass Er mir hilft. Ich verspreche, dass ich nie wieder versuchen will, dich anzufassen. Ich will nie wieder daran denken, dir etwas anzutun.” Da betete Sarah zu Allah, und alsbald war der König geheilt. Tatsächlich hielt er diesmal auch Wort, denn er hatte eingesehen, dass Allah unvergleichlich mächtiger war als er, der sich für den mächtigsten König der Welt gehalten hatte.

So befahl er, Sarah zu Ibrahim zurückzuschicken, und schenkte ihr eine ägyptische Frau namens Hagar als Dienerin, um sich bei ihr zu entschuldigen. Bald darauf verließen die drei frei und ungehindert das Land.

Ibrahim gelangte also in die Nähe der Stadt Babylon, und die Gottesfürchtigen schlugen dort ihre Zelte auf und begannen, in der Stadt ihre Arbeit anzubieten und ihre Waren zu verkaufen. Natürlich erfuhr der König durch die wachsamen Beamten sofort von der Ankunft der Fremden, und dass sie Diener des einzigen Gottes waren, den Nimrud angeblich getötet hatte. Der König befahl sofort, Ibrahim zu ihm zu bringen. Er sprach zu Ibrahim: „Ich bin der Gott in diesem Land. Was ist das für ein Gott, den du an meiner Stelle anbetest?” Ibrahim sprach: „Ich bin ein Diener Allahs, des Herrn der Welten, aus dessen Hand Leben und Tod über Seine Geschöpfe kommen.” „Unsinn!” rief der König. „Ich bin es, der lebendig macht und tötet.” Mit einem Wink seiner Hand gab er den Befehl, hundert Gefangene aus dem Gefängnis zu bringen. Als diese in einer Reihe vor ihm standen, ließ er fünfzig zur rechten und fünfzig zur linken Seite treten. Die auf der rechten Seite standen, ließ er frei, die anderen fünfzig ließ er auf der Stelle hinrichten.„Siehst du nun, dass ich der wahre Gott bin?” fragte er triumphierend.

Aber Ibrahim war überhaupt nicht beeindruckt. Er sprach zu dem Tyrannen: „Mein Herr lässt jeden Tag die Sonne im Osten aufgehen. Bring du sie doch einmal von Westen.”

Das konnte Nimrud natürlich nicht. Er wurde sehr wütend, weil Ibrahim vor ihm gar keine Angst zu haben schien, und gleichzeitig fürchtete er, der fremde Prophet könnte unter seinem Volk die Wahrheit bekannt werden lassen. Am liebsten hätte er Ibrahim sofort getötet, aber er wusste andererseits auch nur zu gut, dass er in Wirklichkeit Allah nicht getötet hatte, sondern nur vor dem Volk einen Schwindeltrick gezeigt hatte. Er befahl daher seinen Soldaten, Ibrahim und die Gottesfürchtigen so schnell wie möglich aus dem Land zu vertreiben.

Schon bald danach fielen mächtige Feinde über das Reich her und zerstörten die prächtigen Städte. Einige davon, wie Babylon, wurden Jahrhunderte später mit noch größerer Pracht wieder aufgebaut, aber von den ursprünglichen Städten sind noch viele Ruinen bis heute erhalten geblieben, und auch Teile des Turmes stehen noch. Nachdem Ibrahim das Land verlassen hatte, gelangte er ins Gebirge.

Während seine Leute die Zelte aufbauten und die Tiere auf die Weide trieben, wanderte Ibrahim an einem einsamen Ort umher, um zu beten und nachzudenken. Er sprach zu Allah: „Zeig mir doch einmal, wie Du die Toten zum Leben erweckst.” Allah erwiderte: „Hast du etwa kein Vertrauen zu mir?” „Doch”, sprach Ibrahim, „nur damit mein Herz beruhigt wird.” Da befahl Allah Ibrahim, vier Vögel zu fangen und sie zu zähmen. Dann sprach Er: „Zerteile sie und bring ihre Teile auf vier verschiedene Berge.” „Nun ruf die Vögel zu dir”, sprach Allah. Und kaum hatte Ibrahim die Vögel gerufen, da kamen sie auch schon angeflogen und setzten sich auf seine Schultern. Nach jahrelanger Wanderung gelangten Ibrahim und die Seinen in das Land Palästina. Dort blieb Lut in der Stadt Sodom, denn Allah hatte ihn zum Gesandten für ihre Bewohner bestimmt, und auch die meisten anderen von Ibrahims Gefährten siedelten sich in der Nähe an. Nur Ibrahim und seine Frau Sarah brachen schon nach kurzer Zeit zu weiteren Reisen auf. Sie durchwanderten das Land in alle Richtungen und gelangten schließlich nach Ägypten. Ibrahim tat, wie ihm befohlen war, und kehrte zu seinem Platz zurück.

Dieses fruchtbare Land an den Ufern des Flusses Nil war damals ein wichtiges Zentrum der Wissenschaften und Künste. Wie in Ibrahims Heimat im Zweistromland, so gab es auch hier große, prächtige Städte mit Palästen, Tempeln und Denkmälern, und die Bibliotheken waren vielleicht sogar noch ein bisschen älter und größer als in Ur und Babylon. Jedes Jahr überschwemmte der Nil das ganze Land und brachte fruchtbaren schwarzen Schlamm auf die Felder, und dann kamen die weltberühmten Meister der Mathematik und teilten das Land neu auf und wiesen jedem Bauern seinen Anteil zu. Die Astronomen waren Jahr für Jahr damit beschäftigt, die Sterne zu beobachten, um die genaue Zeit für die Nilüberschwemmung vorauszuberechnen, damit nur ja kein Schaden entstand. Alle Wissenschaften und Künste der damaligen Zeit waren im Land Ägypten bekannt. Die Menschen aber waren wiederum so stolz auf ihre eigene Leistung, dass sie an Allah überhaupt nicht mehr dachten. Am stolzesten und übermütigsten war ihr König, der Pharao. Dieser behauptete, er sei der Sohn der Sonne, und seinen Befehlen mussten die Menschen bedingungslos gehorchen. Sogar bis über ihren Tod hinaus wollten die ägyptischen Könige vor der ganzen Welt ihre Macht beweisen. Darum befahlen sie schon zu Lebzeiten Millionen von Sklaven, aus riesigen Steinblöcken die Pyramiden zu bauen, in denen sie dann mit all ihrem kostbaren Besitz beigesetzt werden sollten, nachdem sie zuvor von den berühmten Ärzten des Landes mit kostbaren Salben einbalsamiert worden waren, so dass ihr Körper jahrtausendelang erhalten blieb.

Ibrahim reiste nun mit seiner Frau Sarah durch das Land und traf viele der berühmtesten Gelehrten. Da er selbst ja auch ein Gelehrter war, führte er viele nützliche Gespräche mit ihnen. Sicher hat er ihnen auch von Allah erzählt und von Seinen früheren Gesandten, aber wir wissen nicht, wie viele Ägypter damals auf ihn gehört haben. Wahrscheinlich waren die meisten zu sehr mit sich selbst beschäftigt und haben seine Rede höflich abgelehnt.

Schließlich kamen Ibrahim und Sarah in die Hauptstadt des Landes. Der König, der dort in seinem riesigen Palast residierte, war ein grausamer Tyrann. Er hatte ein gewaltiges Heer von Soldaten, die er auf Kriegszüge ausschickte, und Sklaven, die für ihn arbeiten mussten. Ja, er betrachtete das ganze Volk als seine Sklaven.

Der König erfuhr sehr bald, dass ein Fremder in der Stadt angekommen war, und mit ihm zusammen eine außerordentlich schöne Frau. Sobald er aber von schönen Frauen hörte, wollte er sie für sich selbst behalten, und damit hatte er schon viel Leid über die Familien seiner Untertanen gebracht.

Er ließ Ibrahim zu sich kommen und fragte ihn, wer die Frau sei, die mit ihm zusammen reise. Ibrahim wusste wohl, dass dieser Tyrann, wenn er erfuhr, dass sie seine Frau war, ihn töten und Sarah mit Gewalt bei sich behalten würde. Darum erwiderte er: „Sie ist meine Schwester.” Das ist ja auch nicht gelogen, denn alle Gottesfürchtigen sind wie Brüder und Schwestern.

Da schickte ihn der König fort und befahl seinem Diener, Sarah zu holen. Ibrahim hatte gerade noch Zeit, ihr mitzuteilen, was er dem König gesagt hatte. Dann konnte er nur noch warten und beten und auf Allahs Hilfe vertrauen.

Als Sarah vor den König geführt wurde, sprach dieser: „Ich will, dass du meine Frau wirst.” Und er wollte sie anfassen. Aber als er seine Hand nach ihr ausstreckte, bekam er einen gewaltigen Schlag, und er fiel mit Krämpfen zu Boden und strampelte mit den Beinen. „Ach bitte”, rief er unter Schmerzen, „bete doch zu deinem Gott, dass Er mir hilft. Ich will dir auch nichts tun!” Dies tat Sarah, doch kaum hatte der König den Anfall überstanden und fühlte sich wieder besser, da sagte er: „Komm nun!” und streckte wieder seine Hand nach ihr aus. Sofort erhielt er wieder einen Schlag, stärker als den ersten, und er wälzte sich mit Krämpfen auf dem Boden und glaubte, dass er nun bald sterben müsse.

„Ach bitte”, flehte er, „hab Mitleid mit mir und bete zu deinem Gott, dass Er mir hilft. Ich verspreche, dass ich nie wieder versuchen will, dich anzufassen. Ich will nie wieder daran denken, dir etwas anzutun.” Da betete Sarah zu Allah, und alsbald war der König geheilt. Tatsächlich hielt er diesmal auch Wort, denn er hatte eingesehen, dass Allah unvergleichlich mächtiger war als er, der sich für den mächtigsten König der Welt gehalten hatte.

So befahl er, Sarah zu Ibrahim zurückzuschicken, und schenkte ihr eine ägyptische Frau namens Hagar als Dienerin, um sich bei ihr zu entschuldigen. Bald darauf verließen die drei frei und ungehindert das Land.

Je mehr Ibrahim auf seinen weiten Reisen sah und erlebte, um so mehr nahm seine Weisheit zu. Niemand übertraf ihn damals an Wissen. Und in seinem Herzen wuchs beständig die Liebe zu Allah, bis sie alles andere weit überstieg. Darum nennt man Ibrahim auch Allahs Freund.

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Monat April 2009

Ibrahim und die Götzen seines Vaters

Vor etwa 4000 Jahren lebte in der Stadt Ur im Zweistromland ein Mann namens Azar. Ur war damals eine prächtige Stadt mit hohen Gebäuden, breiten gepflasterten Straßen, Brunnen und Wasserleitungen. Dort wohnten reiche Kaufleute und berühmte Gelehrte, und es gab Theater und Bibliotheken. Aber die Menschen beteten nicht nur zu Allah, sondern auch zu unzähligen Götzen.

Außerdem hatten sie die Himmelskörper erforscht, um daraus die beste Zeit für Aussaat und Ernte und viele andere Dinge zu berechnen; aber im Laufe der Zeit übernahmen sie den Aberglauben, Sonne, Mond und Sterne seien selbst die Ursache für die Ereignisse auf der Erde, und man könnte aus ihnen das Schicksal der Menschen ablesen. Darum beteten sie auch die Himmelskörper an. Tag und Nacht waren sie von der Angst geplagt, dass sie Gebet oder Opfer für einen ihrer Götzen vergessen könnten und dieser dann zornig würde.

Azar war ein angesehener Mann. Sein Beruf war es nämlich, aus Holz und Stein alle die verschiedenen Götzenbilder zu machen und sie mit Silber und Gold zu überziehen und mit Edelsteinen zu verzieren.

Nun hatte aber Azar einen Sohn namens Ibrahim. Sobald dieser in das Alter kam, wo junge Menschen anfangen, ihre Umgebung zu beobachten und darüber nachzudenken, fragte er seinen Vater: „Was sind das für Figuren, und warum betet ihr sie an?” Azar erzählte ihm darauf alle Geschichten, die von seinen Vorfahren überliefert worden waren und die von verschiedenen Heldentaten der Götzen handelten, die früher alle einmal berühmte Leute im Volk gewesen waren; aber Ibrahim sah wohl, dass die Götzen nur Figuren waren, die sich niemals von der Stelle rührten, kein Wort sprachen und nicht einmal die geopferten Speisen anrührten, während die einstigen wirklichen Helden längst in ihren Gräbern lagen, und er sagte zu seinem Vater: „Aber sieh doch, sie bewegen sich überhaupt nicht.” Azar meinte, er sei ein dummer Junge und nicht ernst zu nehmen, und wandte sich wieder seiner wichtigen Arbeit zu.

Ibrahim dagegen dachte weiter nach. Er studierte die Wissenschaften seiner Zeit und beobachtete selbst die Himmelkörper, um herauszufinden, was richtig und was falsch war. Am Abend beobachtete er einen besonders hellen Stern, den die Leute der Stadt Ur anzubeten pflegten. Aber nach einiger Zeit ging der Stern unter, und Ibrahim sprach: „Ich mag keine Dinge als meinen Herrn ansehen, die untergehen.” Kurz darauf ging der Mond auf, und darüber gab es im Volk eine Menge Sagen und Gedichte, in welchen der Mond als ein mächtiger Götze geschildert wurde. Mit seinem hellen Licht erleuchtete er die Nacht. Aber nach einiger Zeit ging auch er unter. Ibrahim sprach: „Wenn Allah mir nicht den richtigen Weg zeigt, gehöre ich wirklich zu den Verirrten!” Schließlich ging die Sonne auf.Untitled2

Das Volk hielt die Sonne für den größten Himmelskörper und glaubte, von ihr käme alles Leben auf der Erde. Aber als der Abend kam, ging auch die Sonne unter. Da erkannte Ibrahim mit Gewissheit, dass alle diese Himmelskörper nur Geschöpfe des wahren Gottes sind und sich nach Seinen ewigen Gesetzen bewegen und nur auf Seinen Befehl hin Licht und Wärme spenden, und er sprach: „Ich wende mich ab von allem Trug und vertraue allein auf Allah. Ich bin frei von allem, was die Menschen Allah zugesellen, und frei von der Furcht vor falschen Götzen, die in Wirklichkeit keine Macht haben. Ich wende mich mit ganzem Herzen zu Ihm, der Himmel und Erde geschaffen hat.” Nach dieser Erkenntnis kehrte Ibrahim zu seinem Vater und seinem Volk zurück. Allah gab ihm Weisheit und Erkenntnis und machte ihn zum Propheten. Ibrahim fing an, dem Volk die Wahrheit zu predigen: „Ihr und eure Väter seid dem Irrtum verfallen, denn eure Götzen haben nicht einmal Macht über sich selbst. Hören sie etwa, wenn ihr sie anruft? Können sie euch nützen oder schaden? In Wirklichkeit ist es Allah, der euch erschaffen hat und auch Holz und Steine, aus denen ihr mit euren eigenen Händen die Götzen macht. Wendet euch deshalb zu Ihm, denn es gibt keine wirkliche Macht außer bei Ihm, dafür bin ich ein Zeuge.”

Die Götzendiener ließen sich jedoch nicht von seiner Rede zum Nachdenken bewegen. Die einen sagten: „Du machst vielleicht Witze”, und die anderen sagten: ,,Unsere Götter werden dich bestrafen, wenn du so über sie redest.” Aber Ibrahim entgegnete: Von der Angst vor euren leblosen Götzen bin ich frei, denn ich fürchte nichts außer Allah. Wie soll ich etwas fürchten, das keine Macht hat, ihr aber fürchtet nicht einmal den, dem die wirkliche Macht gehört? Antwortet mir, wenn ihr überhaupt etwas zu sagen habt. Wenn aber nicht, was streitet ihr dann mit mir. Wer glaubt, findet bei Allah seine Sicherheit.” Die Götzendiener hörten nicht auf zu streiten, und Ibrahim sprach:

„Die Götzen sind Menschenfeinde, ihr Weg führt ins Verderben. Ich aber vertraue auf Allah, meinen Schöpfer, den Herrn der Welten, der mich auf den rechten Weg führt, der mich sterben lässt und wieder auferweckt, und der allein mir verzeihen kann.

Und Ibrahim betete: „Mein Herr, gib mir Weisheit und vereinige mich mit den Gerechten. Und lass spätere Generationen Gutes von mir berichten. Und lass mich unter den Erben des Gartens sein. Und vergib meinem Vater. Siehe, er gehört zu den Verirrten. Und verlass mich nicht an dem Tag, an dem weder Vermögen noch Nachkommen den Menschen nützen sondern nur der angenommen wird, der Allah sein ganzes Herz bringt.”

An jenem Tag werden die Götzendiener zu ihren Götzen sagen:

„Wahrhaftig, es war ein Irrtum, euch mit Allah gleichzusetzen. Wie sind wir doch verführt worden! Nun haben wir weder einen Fürsprecher noch irgendeinen Freund, der uns helfen kann. Ach, könnten wir doch in die Welt zurückkehren und Gläubige werden!” Ibrahim sah, dass er mit Worten die Götzendiener nicht einmal zum Zuhören bewegen konnte. Er musste ihnen zeigen, was er meinte, und sprach: „Ihr werdet schon sehen, dass die Götzen nicht einmal sich selbst helfen können, und erst recht nicht anderen.” Eines Tages fand in der Stadt ein großes Fest zu Ehren eines bestimmten Sterngötzen statt, und die Götzendiener forderten Ibrahim auf, mit ihnen zu feiern. Er aber erwiderte: „Mir ist übel geworden.”

Die Götzendiener bemerkten nicht die Ironie in seinen Worten und ließen ihn allein zurück, während sie zum Festplatz gingen. Kaum waren sie fort, da betrat Ibrahim den großen Tempel, in dem die Götzenfiguren standen, regungslos, und geopferte Speisen und Getränke standen unberührt vor ihnen. Ibrahim sprach zu ihnen: ,,Warum esst ihr nicht? Und was ist los mit euch, dass ihr nicht sprecht?” Die Figuren aber regten sich nicht von der Stelle. Da schlug Ibrahim sie allesamt in Stücke, bis auf den größten, damit es so aussah, als hätte dieser sie zerstört. Am nächsten Morgen entdeckte der Oberpriester die zerstörten Götzen und alarmierte sofort alle wichtigen Leute in der Stadt. Alle waren empört. „Wer kann das gewesen sein?” fragten sie untereinander. Schließlich meldete sich einer und sagte: „Ich habe neulich gehört, dass ein Junge schlecht über unsere Götter geredet hat. Vielleicht sollten wir ihn einmal fragen.”

Diesem Rat folgten die Leute. Sie ließen Ibrahim zum Tempel holen und verhörten ihn. „Hast du unsere Götter zerschlagen?” fragten sie ihn. Er entgegnete: „Aber wieso denn, der Größte von ihnen hat es getan. Das kann man doch deutlich genug sehen. Fragt ihn doch, wenn er sprechen kann. Vielleicht war er eifersüchtig.”

Da waren die Götzendiener zunächst verblüfft, aber sie merkten, dass Ibrahim sie zum Narren halten wollte, und sagten: „Du weißt doch, dass sie nicht sprechen.” Da sprach Ibrahim: „Verehrt ihr denn statt Allah Wesen, die nicht einmal sprechen können? Die euch weder schaden noch nützen können? Habt ihr denn keinen Verstand?” Über diese Rede wurden die Götzendiener wütend. Jetzt war es klar, dass dieser Junge nicht nur die Götzen geschändet und zerstört und die Priester zum Narren gehalten, sondern auch alle Ratsherren und wichtigen Leute und sogar die größten Gelehrten und Philosophen dieses Landes beleidigt hatte. Wie konnte er so etwas wagen! Gleichzeitig befürchteten sie, er könnte viele Menschen überzeugen und den Glauben an den einzigen Gott im ganzen Land verbreiten, so dass alle Priester und Fürsten ihre Macht verloren, weil niemand mehr Angst vor ihnen und ihren Götzengeschichten haben würde. „Verbrennt diesen Ketzer!” riefen sie daher, und: „Kämpft für unsere Götter!”

Sofort errichteten sie einen gewaltigen Ofen, wie er sonst zum Eisenschmelzen verwendet wird, heizten ihn ein, bis er rotglühend wurde, und warfen den gefesselten Ibrahim in die Flammen. Aber Allah, der Allmächtige, sprach zu diesem Feuer: „Sei kühl und angenehm!” Da löste das Feuer zwar Ibrahims Fesseln, ihm selbst aber geschah kein Leid, und am nächsten Tag stieg er unversehrt und gut ausgeruht aus dem Schmelzofen. Die Götzendiener bekamen einen Schrecken, denn sie hatten geglaubt, Ibrahim wäre schon längst zu Asche verbrannt. Aber bald hatten sie sich gefasst und sagten: „Wahrscheinlich kann er zaubern.” Nur ein paar Menschen wandten sich dem Glauben an Allah zu, unter ihnen Ibrahims Neffe Lut. Die Götzendiener sprachen nicht mit den Gottesfürchtigen, aber gleichzeitig wagten sie auch nicht, ihnen etwas anzutun. Endlich befahl Allah Ibrahim und den Gottesfürchtigen, ihre Heimat zu verlassen. Zum Abschied sprach Ibrahim zu seinem Vater: „Ich habe nichts mit dem zu tun, was ihr anbetet, und ich diene nur meinem Schöpfer, der mir den rechten Weg zeigen wird. Zwischen den Götzendienern und uns herrscht Feindschaft, bis ihr euch dem einzigen Gott zuwendet, außer, dass ich für dich um Vergebung bitten will, obwohl ich von Allah ohne Seinen Willen nichts für dich erreichen kann.”

Die Gottesfürchtigen beteten: „Unser Herr, auf Dich vertrauen wir, und zu Dir kehren wir um, und zu Dir führt unser Weg. Unser Herr, lass uns nicht den Gottlosen zum Opfer fallen, und vergib uns. Unser Herr, Du allein bist

 

der Mächtige und Weise.”

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Dann sammelten sie ihre Habe und verließen die Stadt.

 

„Es gibt keine Gottheit, außer Gott”


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